Rückenschmerzen: Woher sie wirklich kommen – und was dir jetzt hilft
Aktualisiert am 24.06.2026 · von Boshra Amasha · medizinisch geprüft von Dr. med. Egbert Ritter
Kurz & knapp
- Die allermeisten Rückenschmerzen entstehen nicht durch kaputte Strukturen, sondern durch zu hohe Spannung in Muskeln und Faszien.
- Die gute Nachricht: Worauf Spannung Einfluss hat, darauf hast meistens auch du Einfluss.
- Was sofort hilft: in Bewegung bleiben statt schonen, Wärme, und die überspannten Muskeln gezielt dehnen.
- Sofort zum Arzt bei Taubheit im Schritt, Lähmung im Bein oder Problemen beim Wasserlassen.
Wenn du das hier liest, hast du wahrscheinlich gerade Schmerzen – oder du hast sie satt, seit Monaten oder Jahren. In meiner Praxis bei Salzburg sitzen mir fast täglich Menschen gegenüber, denen gesagt wurde, sie müssten „damit leben“ oder „da hilft nur noch eine OP“. Sehr oft stimmt das nicht. Lass mich dir erklären, warum – und was du selbst tun kannst.
Woher Rückenschmerzen wirklich kommen
Die meisten von uns denken bei Rückenschmerzen sofort an Bandscheiben, Verschleiß oder „etwas Eingeklemmtes“. Doch in den allermeisten Fällen finde ich die eigentliche Ursache woanders: in dauerhaft überspannten Muskeln und Faszien.
Dein Körper verbringt heute Stunden in derselben Haltung – Schreibtisch, Auto, Handy. Bewegungen, die er kaum noch nutzt, „verkürzt“ er. Diese Spannung zieht an Gelenken und Wirbeln, presst auf empfindliche Strukturen und löst einen Alarm aus: Schmerz. Schmerz ist also kein Defekt, sondern eine Warnmeldung – dein Körper bittet um Veränderung, nicht um Stilllegung.
Das erklärt auch, warum ein MRT oft in die Irre führt. Auf dem Bild sieht man vielleicht eine Bandscheibenvorwölbung – aber genau dieselbe Vorwölbung haben unzählige Menschen ganz ohne Schmerzen. Der Befund ist nicht automatisch die Ursache. Deshalb beginne ich nie beim Bild, sondern bei deinem Bewegungssystem.
Was du heute selbst tun kannst
- Bleib in Bewegung. Die alte Idee „Rücken schonen“ ist überholt. Sanfte, regelmäßige Bewegung versorgt deine Bandscheiben und löst Spannung – Schonhaltung verstärkt sie nur.
- Nutze Wärme. Wärme entspannt überreizte Muskeln und fördert die Durchblutung. Ein warmes Bad oder ein Kirschkernkissen ist oft wirksamer als die nächste Tablette.
- Dehne gezielt, statt nur zu kräftigen. Bei überspannten Muskeln bringt noch mehr Krafttraining selten etwas. Was hilft, ist, die verkürzten Muskeln vorne (Hüftbeuger, Bauch) wieder auf Länge zu bringen – dann lässt der Zug auf den Rücken nach.
Das ersetzt keine Behandlung, aber es ist fast immer ein erster Schritt in die richtige Richtung – und es zeigt dir: Du bist deinem Rücken nicht ausgeliefert.
Wann du nicht abwarten, sondern zum Arzt solltest
Bitte nimm diese Warnzeichen ernst. Bei einem dieser Punkte gehört dein Rücken sofort ärztlich abgeklärt:
- Taubheit im Innenschenkel- oder Genitalbereich („Reithosen-Gefühl“)
- plötzlicher Kraftverlust oder Lähmung in einem Bein
- Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlhalten
- starke Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall
- Schmerzen zusammen mit Fieber, Nachtschweiß oder ungewolltem Gewichtsverlust
Das sind die Fälle, in denen wirklich etwas Strukturelles dahinterstecken kann. Genau deshalb arbeite ich eng mit dem Unfallchirurgen Dr. med. Egbert Ritter zusammen – Sicherheit geht immer vor.
Wie ich Rückenschmerzen behandle
Mein Ansatz ist Ursachen- statt Symptombehandlung. In der ersten Sitzung suche ich nicht dort, wo es weh tut, sondern dort, wo die Spannung entsteht – oft an einer ganz anderen Stelle als erwartet. Über gezielte Druckpunkte (Osteopressur) und passende Dehnübungen senke ich diese Überspannung.
Viele meiner Patient:innen berichten schon nach der ersten Behandlung von einer deutlichen Erleichterung, und die meisten brauchen insgesamt nur rund drei Termine. Versprechen kann ich das nicht – jeder Körper ist anders, und der Erfolg hängt auch davon ab, ob du deine Übungen zu Hause machst. Aber genau das ist mein eigentliches Ziel: dass du am Ende dein eigener Therapeut wirst und dir bei den nächsten Schmerzen selbst helfen kannst.
Häufige Fragen
Sind Rückenschmerzen gefährlich?
Meistens nicht. Solange keines der genannten Warnzeichen auftritt, sind Rückenschmerzen unangenehm, aber harmlos – und gut beeinflussbar.
Hilft Schonung?
Selten. Kurzfristig kann eine Pause guttun, aber Schonhaltung verstärkt die Spannung langfristig. Sanfte Bewegung ist fast immer der bessere Weg.
Brauche ich ein MRT?
Bei unspezifischen Rückenschmerzen ohne Warnzeichen meist nicht. Ein Befund zeigt Strukturen – aber nicht zwingend die Ursache deines Schmerzes.
Was, wenn „die Bandscheibe“ schuld ist?
Auch bei einem Bandscheibenvorfall ist oft nicht die Vorwölbung selbst das Problem, sondern die starke Schutzspannung der umliegenden Muskeln. Löst man diese, lässt der Druck auf den Nerv – und damit der Schmerz – häufig erstaunlich schnell nach.
Wie schnell kann ich Besserung erwarten?
Viele spüren bereits in der ersten Sitzung einen Unterschied. Dauerhaft schmerzfrei wirst du durch deine regelmäßigen Übungen.